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17. März 2010

Packpapierpaket


Ausgepackt und losgelegt.

 Immerhin konnte sich der Maler bis zu Hause gedulden.

Hier hatten wir noch Hoffnungen, unsere Pakete loszuwerden.

An diesem Schalter unter Präsidentenbildern, zerbrach die Hoffnung
auf unkomplizierten Paketversand.

Das zweite Paket ist da! Wir haben zum wiederholten Mal dicke Post aus Deutschland bekommen. Unglaublich. Daaankkeeee! Diesmal landete der Paketschein tatsächlich an unserer Tür und auch später auf dem Postamt durften wir schon nach dem Ausfüllen von nur zwei A4 Zetteln unser Paket stolz durch die wartende Menge tragen. Im Glückstaumel wollten wir gleich Bücherpakete von uns nach Deutschland schicken. Aber da kennen wir anarchistischen Deutschen die ordentlichen malaiischen Beamten schlecht. Alles muss seine Richtigkeit haben. Unsere Pakete waren nämlich nicht richtig verpackt. Da muss Packpapier rum. Wo es das zu kaufen gibt weiß allerdings keiner und auch die umwickelten 17 m Klebeband pro Paket zählen natürlich nicht. 18 kg Pakete also wieder mit nach Hause geschleppt und unkompliziert am nächsten Tag von einer anderen Post, der Post auf dem Campus, abgeschickt. Dort gab es Hilfe, Tipps zum Geldsparen und Briefmarken mit Tigern obendrauf. Post ist ein anderes Wort für Schizophrenie hinter müffelnden Holzmöbeln.

28. Januar 2010

Rätselhafte Bilder


Das Bild sagt: die DNA, Möwen, Wolken und ein paar Blumen sind beim Urknall entstanden. Dabei ist das Raumschiff aber leider zerbrochen.


Starren Dich auch Mutantenaugen an und darüber steht Transform?


Wenn die Sonnenlichtpaste kommt, hilft nur Augen zu und Hut auf.


Wissenschaft und Kunst, klar doch. Frankenstein zusammenlöten
und danach Entspannungsaquarelle pinseln.

Vor einiger Zeit fand ich beim Busfahren das bisher einzigste Tag in Malaysia überhaupt – ein  beschmierter Bussitz. (26.11.09) Ich vermutete eine wilde chinesischen Geheim Rapper Meute dahinter. Aber es ist schlimmer. Es sind wahnsinnige Wissenschaftler! Beim Gang über das Unigelände am Sonntag trifft mich doch fast der Schlag, da hängen sie in bunter Reihe, in bester Hip Hop Manier, von oben bis unten knallebunt und voller Rätsel. Geheimbotschaften prasseln mir ins Gesicht und außer knipsen kann ich nichts tun, denn ich frage die augenscheinlich wahnsinnigen Typen nichts! Wer so malt, hat fliegende Nanoroboter als Haustiere, ist schon vor 10 Jahren auf dem Mars gewesen und eigentlich der heimliche Herrscher der Welt. Die sind mir zu krass und ich mache mich schleunigst vom Acker.


17. Januar 2010

Fett verbrennt am Stausee


Die Chinesen holen ihre Bikes aus dem Kofferraum,
wir unsere Verpflegungsbox.


Der Staumauerweg führt zum Dschungelpfad.


Das Blatt an dem Ferdi zieht, ist ca. 3m lang.


Es gibt im Dschungel eine Menge beunruhigender Tiere.
Wir halten darum die Zivilisation lieber im Auge.

 
Kung Fu Streckübungen nach der Stauseeumrundung.


Der Herr schämt sich, denn so biegsam ist er dann doch nicht.


Der Chinese links oben macht Spagat, während Ferdi Mama
den Rücken walzt.

Bei uns ist ja hier Schluß mit Winter und pünktlich dazu finde ich Frauke morgens jammernd im Wohnzimmer. Sie klappert traurig mit den Augen, denn sie glaubt erkannt zu haben, das Malaysia sie dick macht. Das ist natürlich Unsinn, trotzdem schnappen wir Ferdi und rumpeln mit unserem Schuhkartonauto zum Dschungelspaziergang hinterm Kek Lok Si Tempel. Da waren wir noch nie und überrascht stellen wir fest, wie hübsch das hier oben ist. Es gibt einen Stausee, frische Luft und tatsächlich gepflegte Umgebung. Als echte Dorf Rauhbeine stürzen wir uns natürlich erstmal auf einen gruseligen Dschungelpfad. Der kriegt uns nach zwei Stunden nicht klein und darum gibt es zur Abkühlung nochmal eine Stunde Spaziergang um den Stausee. Aufsehenerrregend ist die Menge der Jogger und Radfahrer. Überrascht sehen wir das erste Mal in Malaysia soviele Menschen an frischer Luft Sport treiben–unglaublich. Am Tagesende witzeln wir: … So sind wir jungen Deutschen, statt wie früher zu marschieren, gehen wir wandern … Gekämpft wird heute gegen dicke Schenkel und nicht gegen Russen. Aber jetzt genug vom Sport – her mit der Schokolade!




1. Dezember 2009

12 Bilder sind ein Tag


 7:00h Aufstehen, Frühstück, Duschen, Anziehen …


Ich balanciere Ferdi durch den Morgenstau. Bis 8:30h soll er im Kindergarten sein. Im Autoradio plärrt Inderschlager und Frauke läuft derweil zur Uni in ihr Büro.


Zurück nach Hause. 2,5 h kostbare Arbeitszeit und Fortbildung warten.


12:10h Ferdi abholen und zurück zur Uni brausen.


Frauke zum Mittagessen einsammeln und dorthin fahren,
wo gut gekocht wird.


An diesem Tag vegetarische Köstlichkeiten beim Stamm Inder.


Frauke hat jetzt viel Kraft gesammelt und kann mit malaiischen Gottesanbetern um Termine und Interviews feilschen.


16:30h Zuhause – ideale Zeit für Poolbegehung und Sonnenbrandumgehung.


18:30h Ferdi war ein artiger Uniformträger und darf dafür
noch eine Runde Daddelhölle durchziehen.



Wir brauchen noch Lebensmittel und rollern gemächlich durch den Supermarkt unter der Spielhölle.


Bezahlen muss auch sein. Dem Kassierer ist egal wie lange es dauert, denn er muss trotzdem täglich bis 0:00h schuften.


21:00h Buchvorlesen und Geschichten erzählen. Wenn Ferdi schläft, bewundern wir vom Balkon den Lärm der zwei Schnellstraßen vor unserem Haus. 

Wir wurden immer wieder gefragt, wie denn eigentlich unser Tag hier aussieht und was wir so treiben. Ich habe mal unseren Alltag in Bilder verpackt und kann sagen, alles ist anders und alles ist gleich.


26. November 2009

Geheime Chinesen Rapper


Der heilige Gral. Das erste Tag in Malaysia überhaupt.

Da fahre wir neulich Bus und was entdecke ich: ein waschechtes chinesisches Rapper Tag, fein mit Edding auf den Bussitz raufgemalt! Was ist daran besonders? Es ist die erste Schmiererei, die ich überhaupt hier entdecken konnte. Es gibt einfach niemanden, der mit fetten Stiften oder Sprühdosen Nachts um die Häuser schleicht und seine Umwelt vollkleistert. Es gibt auch keine fetten Stifte oder Sprühdosen zu kaufen! Ich überlege: würde ich nun anfangen, des Nachts Wände oder Busse vollzusprühen, wäre mir der Ruhm unter vielen Jugendlichen sicher und später, wenn Eingeweihte meinen wahren Namen flüstern, wird sich auch die geheime Chinesenrappergang bei mir melden und mich zu ihrem König machen. Yo, let's Breakdance Frauke, yoyo /// oka::

23. November 2009

Papa ist jetzt Einbrecher


Zwei Engel auf Reisen.


Habe keine Fotos vom Einbruch.
Aber viele Bilder von uns beim Essen – ist ja auch was.


 Der Holzhaufen auf dem Stand ist Zuckerrohr und hier als Saft beliebt.


Wo es Essen gibt, sind Chinesen. Und wir.

Heute morgen versuchte ich in unser Auto einzubrechen. Vor Ferdis Kindergarten, mit vielen dicken verschreckten Kindern als Zeugen. Das kam so: Ich stoppe kurz vorm Montessori-McDrive und statt im Auto sitzenzubleiben, steige ich, entgegen jeder Vernunft, aus und öffne Ferdi die Tür, um ihn rausklettern zu lassen. Leider hat der Schelm vorher die Zentralverrriegelung aktiviert und als ich hinter ihm die Tür zuwerfe, sind alle Türen zu, der Zündschlüssel steckt und das Auto steht bei laufendem Motor so rum – komplett geschlossen. 7 Minuten später helfen mir der indische Hausmeister, die Kindergartenchefin und eine Erzieherin mit besonders dünnen Fingern beim Aufknacken. Der Hausmeister ist ein geschickter Kleiderbügeltrickser; die mit den dünnen Fingern hilft ihm ausgezeichnet und die Chefin zerrt kräftig an der Wagentür während ich „Yes …, yes … good …“ krähe. Wir sind in Topform und schwupps ist das Autolein wieder offen. Ich schreie Danke, schüttel alle Hände und brause mit rotem Kopf vom Hof. Aber als ich mich kurz nochmal umsehe, entdecke ich ein dickes Chinesenkind hinterm Pfeiler am Eingang. Es hatte sich versteckt und mich still beobachtet. Ich brülle ihm freundlich hinter meiner Scheibe zu: „Wenn Du mich verpfeiffst Chinesenmoppelchen gibt's Hackbraten!“ Das Kind lächelte kurz schwach, bestimmt war es hungrig.

21. November 2009

Inderfans


Indische Kioske bescheren sogar Mumien Lachanfälle.


Indische Taxifahrer beim Stammfrisör.


Wenn ich mal Gangster werde, nenne ich mich Lucky Stone.


Inder freuen sich immer andere Inder zu treffen.


Sari oder Nicht Sari? Frauke grübelt noch … Noch.

Frauke und ich sind Fans der Inder. Zuerst ist da die Sprache, die so klingt als würde man einen singenden Betrunkenen unter Wasser erwürgen wollen – super. Dann das Radioprogramm. Als einzige Lichtblicke der grässlichen Radiolandschaft bleiben tamilische Rebellenstationen (Ich glaube, es sind Tamilen, denn manchmal hört man nackige MG Schüsse im Song) mit komplett außerirdischer Musik, die jedem ein Lächeln in Gesicht hämmert. Außerdem natürlich das wirklich gute indische Essen hier und obendrauf die freundliche Schlitzohrigkeit der Inder, die wirklich alle etwas von Apu dem Simpsons-Inder haben. Wenn ihr also Typen mit dürren Beinchen, schwarzem Schnauzer und lustiger Plauze seht, können das nur Inder sein und wenn die dann noch Blumen, Düddelmusik, Bollywoodfilme oder rosa Gesichtspuder verkaufen, habt ihr ins Schwarze getroffen und das Türchen zum Inderfan sein ist auch für Euch offen.

18. November 2009

Montessori-McDrive


12:02 h. Puh, zum Glück steht nur einer vor mir in der Schlange.


Ferdi freut sich wieder etwas zu verstehen.


Gruppenbild mit zwei lässigen Schuhkartonvornesitzern.


Ein kurzer Blick zurück.


Zur Belohnung gibt es Bodybuildernahrung.

Mieses Fastfood und ganzheitliche Montessori Pädogogik passen nicht zusammen! Das dachte ich auch bisher, doch das ist falsch. Der Kindergarten, in den Ferdi nun geht, ist die perfekte Synthese aus beiden Welten. Das geht so: Man fährt mit dem Auto bis vor die Eingangstür vom Kindergarten, dort warten die Erzieherinnen und ein indischer Hausmeister, sie öffnen die Wagentür, nehmen das Kind raus, rufen was Nettes und Peng! ist die Tür wieder zu. Der Hintermann hupt, also wieder losfahren. Nix da mit dem Kind nochmal zuflüstern oder einen Kaugummi zustecken. Nein. Beim Abholen das Gleiche, nur dass dann neben dem Hausmeister noch die Kinder in Reihe stehen und auf Abholung warten. Mehr McDonald-McDrive ginge ja nur noch, wenn die Kinder beim Abholen Käse auf den Köpfen hätten. Bevor ich das System nicht kannte, bin ich dusselig noch ausgestiegen um alle zu begrüßen. Jetzt begreife ich auch, warum damals alle so gezwungen gelächelt haben. Gegensätze ziehen sich eben an. Das bleibt mein Trost, da ich diesen Kindergarten wohl nie wieder von innen sehen werde.

4. November 2009

Kindergarten 2


8:30h Ferdi knabbert zum Tränenunterdrücken Äpfel.


Zwei hungrige Kinder starren gierig meine Kamera an.


Ein indischer Hausmeister hält das alles in Ordnung.

 
Hinten wird im Schatten morgens gespielt.


Zur Belohnung für den ersten Tag gab es Nachmittags Spaghetti.


Es war einfach zu langweilig ohne Kinder. Ferdi geht nun doch in den Kindergarten. Wir haben einen Montessori Kindergarten gefunden und nach zweimaliger Besichtigung und einem „JA“ Urteil geht er seit gestern dorthin. Ein altes Haus, schön grün gelegen und 20 Autominuten von uns entfernt. Auch dort gibt es Vorschule, allerdings nicht mit dem Dampfhammer und unter Zwang, sondern liebevoller und gewohnter, wie es Ferdi kennt. Gestern gab es Anfangs noch Tränen, aber heute morgen war es schon leichter ihn zu bewegen. Schön ist, dass es auch noch zwei andere deutsche Jungs dort gibt. Beide sind so alt wie Ferdi und sprechen schon ein wenig Englisch. Schräg ist, dass hier alle Kinder (Schule und Kindergarten) Uniformen tragen. Wie wir ihn dazu bringen, weiß ich noch nicht. Die Erzieherin sagt, dass die Kinder das bald selbst wollen … Wir sind gespannt und berichten.